Beratung in schwierigen Zeiten: Von der Krisenerkennung zur Sanierung
Oft ist die Verpflichtung eines externen Turn-around-Managers sinnvoll, um das Vertrauen der Kreditgeber wiederzugewinnen
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| Die Euphorie der zweiten Hälfte der neunziger Jahre hat sich bei Beschäftigten, Anteilseignern und Gläubigern in eine Katerstimmung gewandelt: Hohe Investitionen, ausbleibende Umsätze und hohe Zinsbelastungen haben viele Unternehmen zu operativen und bilanziellen Sanierungsmaßnahmen gezwungen. Geschäftsmodelle verschiedenster Prägung sind in arge Bedrängnis geraten und mit ihnen ganze Unternehmen, Arbeitsplätze und investiertes Kapital. Schlagwörter zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind nicht mehr IPO, Wachstumspotenziale und Equity Value, sondern Konsolidierung, Sanierung und Insolvenz. |
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| Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen hat in den lezten Jahren dramatisch zugenommen. Mit 37.700 verzeichnete Deutschland im Jahr 2002 einen neuen Höchststand - eine Steigerung von 16% gegenüber dem Vorjahr (Quelle: Creditreform 2003). Deutschland lag hiermit deutlich über der europäischen Steigerungsrate von rund 11%. Der entstandene volkswirtschaftliche Gesamtschaden ist groß und lässt sich nicht allein auf Forderungsausfälle begrenzen; Folgeinsolvenzen sowie Ausfälle bei Steuern und Sozialabgaben sind dazu zu zählen. Nach einer Prognose der Wirtschaftsauskunftei Creditreform entstanden in Deutschland im Jahr 2002 Schäden von insgesamt € 45 Mrd.. |
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| Eine Unternehmenskrise ereignet sich in der Regel nicht plötzlich und ohne Vorankündigung. Sie resultiert meist aus dem Zusammentreffen vieler kleiner Krisen und basiert auf alten, nicht vollständig bewältigten Problemen. In der Regel sind es letztendlich Fehlentscheidungen der Unternehmensführung, die eine Krisensituation hervorrufen. |
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| Das Erkennen und Eingestehen von betriebswirtschaftlichen Krisensituationen sind die ersten und schwierigsten Schritte bei der Bewältigung von Unternehmenskrisen. Im ersten Fall entstehen die Probleme durch die mangelnde Fähigkeit, Problemsituationen zu identifizieren. Insbesondere wenn sich betriebswirtschaftliche Kennzahlen verschlechtern, wird dies oftmals einzelnen Ereignissen zugeordnet; strukturelle Probleme werden nicht erkannt oder falsch interpretiert, notwendige Korrekturmaßnahmen bleiben aus. Unternehmen gleiten so von einer strategischen in eine operative Krise; Zahlungsmittelengpässe kennzeichnen das letzte Krisenstadium. |
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Ursachen der Unternehmenskrise |
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Strategische Ursachen |
Erfolgswirtschaftliche Ursachen |
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Fehleinschätzungen des Marktes |
Fehlerhafte Investitionsplanung |
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Mangelnde Planungsfähigkeit |
Mangelhafter Produktions- und Logistiksektor |
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Unausgewogenes Produktportfolio |
Ungünstige Liefer- u. Leistungsbeziehungen |
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Technologieumbrüche |
Fehler im Absatzbereich |
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Organisatorische Ursachen |
Finanzwirtschaftliche Ursachen |
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Rechtliche Rahmenbedingungen |
Inadäquate Kapitalstruktur |
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Beziehungen zu den Arbeitnehmern |
Mangelnde fiskalische Disziplin |
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Ineffektive Anreizsysteme |
Unzureichende Controllinginstrumente |
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Unternehmenskulturelle Blockaden |
Ungünstige Kapitalmarktsituation |
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Ineffektive interne und externe Kommunikation |
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| Häufig unterdrückt die Unternehmensführung die Kommunikation der Krisensituation aus Imagegründen so lange, bis eine adäquate Gesundung des Unternehmens kaum noch möglich ist. Marktanteile sind dann häufig erodiert, das Eigenkapital verbraucht, wichtige Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen. Frisches Kapital für eine Sanierung und Fortführung des Unternehmens wird sich in solchen Fällen nur selten finden. |
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| Wird ein Sanierungskonzept ausgearbeitet ist auch die Frage zu beantworten, mit welchem Management die Sanierung durchgeführt werden soll. Da Krisen häufig auf Fehlentscheidungen der Unternehmensführung basieren und bereits zu einem Vertrauensverlust auf Seiten der Kapitalgeber geführt haben, stellt sich die oben genannte Frage vor allem bei angestrebter weiterer Zusammenarbeit mit den gleichen Kapitalgebern. Um diesen Konflikt zu überwinden, kann ein Turn-around-Manager die Führung des Unternehmens übernehmen, der von einem erfahrenen Beraterteam unterstützt wird. Dabei sind die kreditgebenden Banken einzubinden. |
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| Sanierungsmaßnahmen sollten sowohl das betroffene Unternehmen individuell analysieren, als auch die Leistungskraft anhand eines Benchmarking mit Wettbewerbern überprüfen. Durch den Vergleich mit ausgewählten, wirtschaftlich erfolgreichen Wettbewerbern lassen sich Zielwerte für einzelne Kennzahlen definieren, aus denen direkt der Verbesserungsbedarf abgeleitet werden kann. Bei der Entwicklung des Sanierungskonzeptes ist zu beachten, dass sowohl leistungs- als auch finanzwirtschaftliche Maßnahmen berücksichtigt werden. |
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| Unternehmenskrisen sind häufig auf unterschiedlichste Ursachen zurückzuführen, so dass lediglich in einem ganzheitlichen Untersuchungsansatz Wege aus der Krise gefunden werden können. Bei der Ausarbeitung konkreter Maßnahmen sind diese jedoch inhaltlich abzugrenzen und zu gewichten. So sind bei Liquiditätskrisen zuerst rasch wirksame, liquiditätsfördernde Maßnahmen zu ergreifen. Beim weiter gefassten Turn-around-Ansatz spielen hingegen strategische und ertrags-wirtschaftliche Überlegungen eine dominante Rolle im Krisenbewältigungsprozess. |